Brandenburg (Havel)

Wer A sagt, muss auch B sagen. Nach der Präsentation der Fotografien aus Aachen richtet sich der Blick nun auf Brandenburg an der Havel. Auch andere Städte – etwa Baden-Baden, Berlin, Bremen oder Buxtehude – wären naheliegende Fortsetzungen gewesen, da dort ebenfalls fotografische Arbeiten entstanden sind. Die Entscheidung fiel jedoch auf Brandenburg an der Havel, eine Stadt, die durch ihre historische Mehrschichtigkeit und ihre städtebaulichen Brüche in besonderer Weise geeignet ist, zentrale Anliegen meiner Stadtfotografie sichtbar zu machen.

Zwei Aufenthalte bilden den zeitlichen Rahmen der hier gezeigten Fotos: ein erster Besuch im August 2006 sowie eine erneute fotografische Annäherung im Februar 2026. Der Abstand von zwanzig Jahren eröffnet die Möglichkeit, Veränderungen im Stadtraum wahrzunehmen und Kontinuitäten zu reflektieren. Im Jahr 2006 habe ich mit der kleinen Kompaktkamera Rollei DR 6 (ca. 5 MP) gemacht. Im Jahr 2026 war ich mit der Leica M 11-P (60 MP) unterwegs.  

Brandenburg an der Havel ist historisch aus drei eigenständigen Stadtkernen hervorgegangen: der Altstadt, der Neustadt und der Dominsel. Diese räumliche und historische Dreigliederung prägt das Stadtbild bis heute. Alt- und Neustadt entwickelten sich im Mittelalter als getrennte Städte mit jeweils eigenem Rathaus und eigener Verwaltung; die Dominsel bildet mit dem Dombezirk einen geistlichen und siedlungsgeschichtlichen Ursprungskern.

Bei den bisherigen Aufenthalten stand die Neustadt im Mittelpunkt der fotografischen Arbeit. Sie zeichnet sich durch eine dichte Abfolge von Sakral- und Profanbauten, durch rekonstruierte und sanierte Fassaden sowie durch städtebauliche Überformungen des 19. und 20. Jahrhunderts aus. Die Konzentration auf diesen Teilraum erlaubt eine exemplarische Auseinandersetzung mit Fragen von Kontinuität und Wandel im urbanen Gefüge.

Im Zentrum der fotografischen Auswahl steht der Kontrast zwischen zeitgenössischer Architektur und historischem Baubestand. Moderne Baukörper mit klaren Linien und neuen Materialien treten in Dialog mit Backsteingotik, Gründerzeitfassaden oder industriellen Relikten. Diese Gegenüberstellungen werden nicht als bloße Gegensätze inszeniert, sondern als Ausdruck urbaner Transformation verstanden. In der Stadt sind vereinzelt noch Spuren der DDR-Vergangenheit sichtbar. Sie verweisen auf politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die den Stadtraum nachhaltig geprägt haben.

August 2006

Februar 2026